Freitag, 6. Juli 2018

Vom Zauber der Manege im Circus Roncalli






Immer öfter machen sich die Menschen mit Demenz auf den Weg. Sie verlassen ihren Alltag und machen in Kultur. Für Menschen mit Demenz ist das eine Fahrt ins Blaue, ein Abenteuer, denn Sie wissen nicht was Sie erwartet. 

Erstmal am Ziel angekommen ist die Freude groß, denn jetzt ist viel Zeit für Erinnerungen, Poesie, Melancholie, Gesprächen, mit Worten oder „Händen und Füßen“ und viel Emotionen. Und wenn die "sprachlosen" Menschen, die den "Verstand" verloren haben, beim Kontakt mit der Kultur sehr emotional wieder ins Gespräch kommen, dann sind die Menschen glücklich angekommen:
 

Der wohl schönste Zirkus der Welt gastiert vom 18. Juli bis 12. August 2018 endlich wieder in Ludwigsburg - Circus Roncalli in der ehrwürdiger Kulisse des Blühenden Barock! Freuen Sie sich auf magische Momente! Nostalgie und Moderne verbinden sich zu einem Gesamtkunstwerk und feiern ein großes Fest der Sinne und Emotionen vor beeindruckender Schlosskulisse beim einzigen Gastspiel in Baden-Württemberg.

120 Artisten werden Sie unter anderem mit Bühnenzauberei, akrobatischen Monumenten zu den Klängen von Beatles „Yesterday“ und Comedy verzaubern.
RosenResli begleitet sei über 12 Jahren Menschen mit dem Demenz in die Welt der Kultur. Kommen Sie mit!. Bitte schreiben Sie uns oder rufen Sie an. Wir informieren Sie gerne über unsere Begleithilfe für den Besuch im Circus Roncalli.



RosenResli e.V.
Kultur für Menschen mit Demenz, Danneckerstr. 4 / 70182 Stuttgart
0711 - 95 86 33 61 / 0157 - 58 52 83 00 / rosen-resli@gmx.net

Donnerstag, 5. Juli 2018

Kunstvermittlung für Menschen mit Demenz

Kunstvermittlung für Menschen mit Demenz – macht das Sinn?

Treffpunkt Staatsgalerie Stuttgart im Foyer (Stirling Bau)
Die richtige Antwort gibt es für aktive Menschen mit Demenz, für pflegende Angehörige und Partner mit Demenz, für Pflegeprofis und für Ehrenamtliche, die sich in Zukunft als ausgebildete  „KulturbegleiteInnen“ engagieren wollen.






Burda Museum in Baden Baden: Museumsbesuch für Menschen mit Demenz


Keine Gebühren
für Eintritt und Führung

Termine: 25.07. - 22.08. - 19.09.2018

Anmeldung erforderlich

RosenResli e.V.
Kultur für Menschen mit Demenz, Danneckerstr. 4 / 70182 Stuttgart
0711 - 95 86 33 61 / 0157 - 58 52 83 00 / rosen-resli@gmx.net

Freitag, 9. Februar 2018

Vom Wöllböbbele zum Kumbaya

Susanne Gilde / Hans-Robert Schlecht

Stimmlich warm gemacht, haben sich die 40 Sängerinnen und Sänger bei ihrer zweiten Chorprobe am letzten Sonntag, mit vielen gesungenen Vokalen, auch verbunden mit Bewegungen, um den ganzen Körper erst einmal zu lockern. Großen Spaß machte den Bewohnerinnen und Bewohnern, deren Angehörigen und den Mitarbeitenden dann das gesungene „Wollböbbele“, das noch in ein „Baumwollböbbele“ und dann sogar in ein „Biobaumwollböbbele“ gesteigert wurde.


Der im Samariterstift im Mühlenviertel, im Januar neu entstandene Chor (er trifft sich einmal im Monat am Sonntagnachmittag)unter der Leitung von Jeschi Paul, die am Klavier professionell unterstützt wird von Klaus Rother, war mit Eifer und großem Spaß dabei. Im letzten Herbst kam der Verein RosenResli e.V. auf das Samariterstift im Mühlenviertel mit dem Vorhaben zu, einen gemischten Chor im Pflegeheim entstehen zu lassen, in dem Menschen mit und ohne Demenz, Angehörige, Mitarbeitende, aber auch Sangeslustige aus dem Wohnumfeld gemeinsam singen. „RosenResli“ ist ein Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen mit Demenz wieder Erlebnisse in der Kulturlandschaft zu ermöglichen und unterstützt engagierte Partner der Wohlfahrtsverbände, Träger von Pflegeheimen und Kirchen. „RosenResli“ ermöglicht den, von der Krankheit betroffenen Menschen, Besuche im Museum, im Theater und Konzert, in der Oper und im Ballett, in Gottesdiensten, bei Lesungen und vielem mehr. Immer organisiert mit fürsorglicher Begleitung.


Und gerade entsteht das neue Projekt. Menschen nicht nur zurück in die Chöre und Gesangsvereine zu bringen, sondern auch das liebgewordene Hobby im Pflegeheim wieder zum Leben zu erwecken. Und zwar am besten als gemeinsames Erlebnis, wenn es geht mit den eigenen Angehörigen, Freunden und Bekannten aus dem Umfeld – mit dem Ziel der Freude am Moment. Der Schwäbische Chorverband übernimmt die Kosten für die Chorleitung und musikalische Begleitung, darüber hinaus bietet RosenResli die Möglichkeit für die Angehörigen, die Chorleitungen, für die Freunde und Bekannten die mitsingen an Validationsschulungen teil zu nehmen. Wenn das Verstehen all der komplizierten Zusammenhänge des täglichen Lebens für einen von Demenz betroffenen Menschen zunehmend schwieriger wird, so ist doch die Ebene der Gefühle noch da.



Und hier kann man diese Menschen noch lange sehr gut erreichen. Auf verschiedenen Wegen, mit der besonderen Kommunikationsform „Validation“, aber eben auch mit Musik und gemeinsamer Freude am gemeinsamen Singen werden hier wertvolle gemeinsame Glücksmomente geschaffen. Das war auch gut zu merken, an den freudigen Gesichtern, als auch an der Inbrunst mit der mit gesungen wurde. Viele kannten die Strophen des Schneewalzers, zu dem im dreiviertel Takt auch geklatscht wurde, auswendig. Und die Zungenbrecherübung mit dem Biobaumwollböbbele zahlte sich dann beim Singen des Schlagers „Tipitipitipso beim Calypso“ von Catherina Valente aus, es wurde im Kanon und sogar schon zweistimmig gesungen. Und auf Englisch und kreolisch, wie die Teilnehmenden fest stellten – „Kumbaya my Lord“. Die Worte „Kum ba yah“ sind kreolischen Ursprungs und bedeuten in Gullah, der Sprache der Afro-Amerikaner, „Komm her, hier“. Das Lied ist ein Appell an Gott, herzukommen und zu helfen. Wobei einer der Sänger einwarf, das könne so auch aus dem Schwäbischen sein.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

«Inklusion? Egal, wie man das nennt»

Eine Initiative von Vater und Sohn führt Menschen mit Demenz auf ungewöhnlichen Wegen in die Welt der Kunst.

Von Uschi Entenmann

Was für ein seltsames Paar: Hans-Robert Schlecht, 72, stützt sich schwer auf seinen Stock, Bart und Haare schlohweiß, wie ein Bär Balu, der in die Jahre gekommen ist. Neben ihm: Sohn Florian, 49, schlank und gespannt wie eine Feder, die Mähne hängt bis auf die Schultern.

Beide stehen im Foyer der Staatsgalerie von Stuttgart, um sie herum acht demenzkranke Menschen mit ihren Betreuern. Ein Grüppchen, das in der postmodernen Architektur des britischen Architekten James Stirling wirkt, als hätte es sich zwischen grellgrünen Fensterrahmen und pinkfarbenen Handläufen, zwischen Travertin und Sandstein verlaufen und müsste nun ratlos auf dem grasgrünen Linoleum ausharren.

Aber sie haben sich nicht verlaufen, sondern sind mit der Kunsthistorikerin Sabine Lutzeier verabredet, die sie über eine Rampe in die erste Etage führt. In Zeitlupe folgt das Grüppchen und setzt sich auf mitgebrachte Klapphocker vor das Pop Art Bild von Roy Lichtenstein, das eine Hand mit einer Spraydose zeigt.

«Ist das Sahne, was da aus der Dose kommt?», fragt eine Dame mit wallendem Weisshaar und beugt sich bis auf Nasenbreite dem Bild entgegen. Da ist auch schon die Aufpasserin im Anmarsch. «

Könnte sein», meint Florian Schlecht, während sich die ersten schon wieder abwenden. Nächste Station ist das Bild «Monturi in Rot und Blau» von Willi Baumeister. Hocker aufklappen, sitzen, schauen.

«Moderne Malerei», sagt Sabine Lutzeier. «So so», sagt eine zierliche Frau im Rollstuhl. «Und was soll das sein? Eine Landkarte? Vielleicht Ägypten?»

Alle zehn Minuten tippelt und rollt die Gruppe weiter. Als sie die Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck erreicht, schwenkt Hans Robert Schlecht seinen Krückstock auf eine Figur, die den Titel «Der Gestürzte» trägt und einen nackten Mann zeigt, der auf allen Vieren über den Boden kriecht.

«Ich werde nie vergessen», erzählt er, «wie wir einmal bei einem Museumsbesuch vor dieser Skulptur sassen und meine demenzkranke Mutter laut und deutlich rief: ’Was für ein geiler Arsch!’ Dabei war sie ihr Leben lang eine durch und durch prüde Person».

Kulturarbeit, nicht Sozialarbeit

Seit zehn Jahren führen Hans Robert Schlecht und Sohn Florian demenzkranke Menschen in Theater und Oper, Museen und Zirkus, zu Lesungen und Gottesdiensten. Sie haben dafür einen Verein gegründet und ihn «Rosen-Resli» genannt.

Der Name ist einer Schmonzette1 von 1954 entlehnt, in der Christine Kaufmann eine neunjährige Waise spielt, die sich rührend um ihre herzkranke Pflegemutter kümmert. Ziel des Engagements von Vater und Sohn ist es, die Lebensqualität dementer Menschen zu steigern. Deswegen verstehen sie sich als Entertainer. «Wir leisten Kulturarbeit, keine Sozialarbeit.

» Ist das Inklusion, wenn man eine Gruppe dementer Menschen durch die Stuttgarter Staatsgalerie oder ins Opernhaus führt? «Egal, wie man das nennt», sagt Vater Schlecht.

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