Dienstag, 20. Januar 2015

Menschen mit Demenz erleben sich selber als kompetent und gesund

von Annika Bangerter 

Ein Besuch in der Stiftung Wirrgarten, wo seit 15 Jahren demente Menschen nur das tun, was sie erfreut. Allerdings lässt sich der Tag nicht in fixen Abläufen durchplanen. Zu verschieden sind die Gäste, ihre Bedürfnisse und ihre Fähigkeiten.


«Wie lautet der Vorname von Tucholsky?» – «Kurt!» – «Oh, da habe ich wohl eine Bildungslücke», sagt der Zivildienstler und schreibt den Namen in die vier Kästchen des Kreuzworträtsels. Der alte Mann drückt die Kuppen seiner gespreizten Finger zufrieden aneinander, lehnt im Sessel zurück. «Ein anderes Wort für Vortrag?» – «Rede», sagt die Frau im roten Pullover, den Kopf in die rechte Hand gestützt. Innert kurzer Zeit hat die achtköpfige Gruppe das Kreuzworträtsel gelöst. Würde sich diese Szene nicht in der Tagesstätte der Basler Stiftung Wirrgarten abspielen, gäbe es kein Anzeichen dafür, dass alle alten Menschen der Runde schwer dement sind. «Das Kreuzworträtsel ruft Wissen aus dem Langzeitgedächtnis ab. Dort sind die Informationen im Gegensatz zum Kurzzeitgedächtnis häufig noch vorhanden», sagt Irene Leu. Sie leitet seit der Gründung vor 15 Jahren die Begegnungs- und Betreuungsstätte Atrium der Stiftung Wirrgarten.
Diese ist spezialisiert auf besonders betreuungsintensive Demente, die entweder bei ihren Angehörigen oder mit Hilfe der Spitex zu Hause leben. Den Weg zur Tagesstätte würden sie alleine nicht finden. Auch in der Tagesstätte sind sie nie alleine und häufig eins zu eins betreut. «Die Pflege von Menschen mit Demenz führt die Angehörigen häufig in die soziale Isolation. Sie haben weder Zeit noch Kraft für ihre eigenen Interessen. Wenn ihr dementer Partner, Vater oder ihre Mutter bei uns ist, entlastet das die Angehörigen im Alltag und schützt sie vor einer Erschöpfung», sagt Irene Leu.

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